Das Communale-Wohnprojekt

Der für das Jahr 2013 angekündigte komplette Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Heidelberg war Ausgangspunkt für zwölf Heidelberger, sich im November 2011 erstmals zusammen zu setzen, um ein gemeinschaftliches Wohnprojekt zu besprechen. Das versprach neue Wohnmöglichkeiten in einem neu zu gestaltendem Stadtteil. Besonders die ehemalige Mark-Twain-Village (MTV) mit einem schon vorhandenen Wohnungsbestand zog großes Interesse auf sich – sowohl von Wohninitiativen als auch von Baugruppen, Baugenossenschaften, Investoren, lokalen Banken und natürlich auch städtischen Gremien und Entscheidungsträgern.
Im Februar 2012 gründeten die zwölf Heidelberger dann den „Communale – Verein für urbane Wohnkultur e.V.“. Ziel war die Übernahme eines oder mehrerer Häuser im Bereich MTV westlich der Römerstraße. Eine kooperierende Baugenossenschaft wurde gesucht und anfangs auch gefunden. Grundidee war, mit einer traditionellen Baugenossenschaft als Partner eine sozial orientierte und nicht vorrangig vom Profit und der Spekulation bestimmte Wohnungspolitik zu unterstützen. Dabei sollte die „Communale“ als Mieterprojekt ihr Engagement und ihren Gestaltungswillen einbringen können und zudem als Mehrgenerationen-Haus unterschiedliche Altersstufen beherbergen.
Ab 2013 begannen die Verhandlungen mit Baugenossenschaften, Stadt Heidelberg und inzwischen neu gegründeten Bauträgern plus Banken. Es wurde viel versprochen und wenig, das heißt: nichts, gehalten. Die Verhandlungspartner, das wurde nach und nach klar, favorisierten eindeutig Baugruppen, die mit Eigenkapital als Käufer auftraten; ein Vertreter der Stadt sprach dabei von „Menschen, die Verantwortung übernehmen“. Die „Communale“ als Mieterprojekt war da nicht so gefragt. In unterschiedlichen Intensitäten, mit immer wieder neuen und nicht gehaltenen Versprechungen, dauerten die Verhandlungen bis ins Jahr 2018 an, ehe die Situation für die „Communale“ endgültig unzumutbar wurde. Das Projekt beendete die Gespräche.
Seit 2019 findet eine Neu-Orientierung statt, die „Communale“ sucht neue Gesprächspartner, die Interesse haben, die Inhalte des Projekts zu unterstützen: soziales, solidarisches, Generationen übergreifendes und nachhaltiges Wohnen; gegenseitige Hilfe und Unterstützung auch in schwierigen Situationen– und vor allem Wohnen in selbstverwalteten Strukturen, die auch dem Vermieter Entlastung bieten. Gemeinschaftlich bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur basisdemokratische Strukturen, sondern auch die gemeinschaftliche Nutzung und Verwaltung etwa von Einrichtungen wie Wasch- und Trockenräume, Fahrradabstellplätze, Carsharing oder auch ein zentraler Versammlungsraum im Haus. Wichtig: Selbstverwaltung bedeutet die Teilhabe – wenn möglich – aller an den Aktivitäten des Projekts.
Warum „Communale“? Der Name tauchte zum ersten Mal in Heidelberg Anfang der 1980er Jahre auf, als ein selbstverwaltetes, kritisches Zeitungsprojekt gegen die Monopolpresse in der Stadt antrat. Die „Communale – Heidelberger Wochenzeitung“ verfolgte schon damals jene Ideen, die teilweise auch heute im Wohnungsprojekt aktuell sind. Überdies sind einige Personen von damals in der jetzigen Gruppe aktiv. Zur konkreteren Programmatik des gemeinschaftliche Wohnprojekts „Communale“ s.a. hier..