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Blog Communale - Meinungen, Artikel, Kommentare ...

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Heidelberg und die „Knowlegde Pearls“

Posted on 1. Juli 2015 by magida

Schon einmal gehört – „Knowlegde Pearl“? Ehrlich gesagt, bis dato war mir dieser Begriff noch nicht begegnet, bis – ja bis zur Veranstaltung von formAD (Verein zur Förderung von Architektur und Design) und der IBA Heidelberg (Internationale Bauausstellung) zum Thema „Wachsen – die ganze Stadt denken“ in der Chapel von Mark Twain Village. Der Begriff wurde bei diesem „Stadtgespräch“ zwar nie richtig erklärt, aber man konnte heraushören, dass mit „Knowledge Pearl“ Orte gemeint sein sollen, in denen Wissen und Wissenschaft in herausragender, ja „schillernder“ Weise gestaltend wirken. Ein Begriff also, wie geschaffen für die „Wissen-schafft-Stadt“-Propagandisten.

Die IBA, so hat man jetzt verstanden, will aus Heidelberg auch eine „Knowledge Pearl“ machen. Das Problem dabei: „knowledge“ bedeutet im Englischen sowohl Wissen als auch Erkenntnis. Und das ist nicht das Gleiche, denn Wissen ist ein Produkt, Erkenntnis aber ein Prozess – um es einmal vereinfachend zu formulieren. Was also soll Heidelberg, das „ganze Heidelberg“, für sich beanspruchen? Wissen oder Erkenntnis? Nimmt man die IBA-Veranstaltung zum Anlass, besteht Grund zur Annahme, dass das Wissen gemeint sein muss.

Denn da saßen sie alle, die Wissenden – die Professoren, an der Spitze IBA-Chef Michael Braum, Theologen, Architekten, Architekturkritiker, Stadtplaner, Ex-Stadträte, Bauherren usw. usw. Und in ihren Statements und der Diskussion kam heraus, wie immens ihr Wissen ist: Die Theologin verwies darauf, dass auch soziale Aspekte bei der Stadtplanung einbezogen werden sollen; der Universitätsprofessor analysierte messerscharf, dass Stadt und Universität „aufeinander zugehen sollen“; die Architekturkritikerin, die vor Monaten noch in einer Architekturzeitschrift die IBA als eine „konservativ-grüne Schicki -Micki-Form“ bezeichnet hatte, präsentierte brav ihre Umfrage zum Thema „Heidelberg und das Wachsen einer Stadt“ – natürlich auch mit einigermaßen skurrilen Zitaten Heidelberger Repräsentanten; die Stadtplanerin nahm die Heidelberger Bürger in Schutz, sie seien gar nicht so schlimm, wie aus dieser Umfrage herausgelesen werden könne; der IBA-Chef glänzte mit der Aussage, man solle besser miteinander kommunizieren und genauer auf die Argumente anderer hören. Insgesamt ein geradezu sensationelles Sample unserer „Wissen-schafft-Stadt-Bewegung“, das IBA-Stadtgespräch sozusagen als grandiose „Knowledge“-Perlenkette. Dass ein eher akademisches Publikum sich fast zwei Stunden mit solcherart Plattitüden füttern lässt, ohne in Weinkrämpfe oder Zornesausbrüche zu verfallen, ist schon bemerkenswert. Nur der differenzierte Versuch einer Bunte-Linke-Stadträtin, em Thema nahezukommen, und der lakonische Verweis eines Zuschauers, allein die unreflektierte Benutzung des Wachstumsbegriffs kennzeichne die intellektuelle Güte dieser Veranstaltung, waren kleine Stolpersteine in der Runde.

Alles hätte wirklich trostlos geendet, der Erkenntnis-Effekt an diesem Abend wäre gleich null gewesen, wie so oft bei diesen Veranstaltungen, wäre da nicht der als spezieller Gast geladene französische Architekt und Stadtplaner aus der Partnerstadt Montpellier aufgetreten. Und dieser sympathische und bescheidene Herr, der in seiner Stadt für die Planung neuer Stadtteile mit bis zu 16 000 Wohnungen mitverantwortlich ist, dieser freundliche Zeitgenosse gab ein paar – für Heidelberg verblüffende und irritierende – „knowledge pearls“ zum Besten. Etwa, dass in Montpellier nach dem Prinzip gehandelt wird: zuerst die öffentlichen Bereiche planen und entwickeln (Schulen, Kirchen, ja auch Moscheen, Ämter, Sporteinrichtungen, kulturelle Zentren, Versorgungseinrichtungen etc.) und erst danach das Quartier darum herum bauen. Oder der geradezu revolutionäre Slogan: „Straßenbahn macht Städtebau“, das heißt die Betonung des öffentlichen Personennahverkehrs als leitend für die Urbanisierung und die Entwicklung und Verbindung von Quartieren. Konkret dargestellt an der Stadtplanung Montpelliers. Mein Gott, welch einfache und doch so einleuchtende Erkenntnisprozesse!

Das erstaunte Publikum bei diesem „Stadtgespräch“ folgte fasziniert und zustimmend den Ausführungen des Montpellier- Stadtplaners. Würde man aber all seine Prämissen für die Entwicklung eines Quartiers in Heidelberg umsetzen, müsste man als erstes die gesamte Bahnstadt abreißen – und den Stadtteil neu planen. Und zumindest einen Teil des Masterplans für Mark Twain Village neu diskutieren und entwickeln.

Was also ist zu tun, fragt sich der mit Beklemmung aus der Chapel schleichende Bürger? Wie entkommen wir dem Bluff, der BA heißt, und der in der Stadt höchstens ein halbes Hundert Menschen anspricht? Folgendes wäre denkbar: Man reduziere das Zwei-Millionen-Budget, das die Stadt der IBA zur Verfügung stellt, und das wahrscheinlich mehrheitlich für Personalkosten (IBA-Chef plus Team) ausgeben werden soll, auf ein Viertel, sagen wir höchstens 500 000 Euro. Dann weise man IBA-Chef Braum, sollte er bis dahin den Abgang zweier seiner wichtigsten und – wie man so hört – über Konzeptionslosigkeit klagenden Mitarbeiter („knowledge pearls“?) verkraftet haben, beispielsweise das ehemalige Airfield nahe Pfaffengrund zu. Aufgabenstellung: hier, auf etwas kleinerem Terrain, einmal richtig kreativ in die Vollen zu gehen – sozusagen im Sandkasten zu üben. Die restlichen 1,5 Millionen verwende man dann für sozialen Wohnungsbau und Unterstützung sozial-infrastruktureller Maßnahmen in den Stadtteilen. Vielleicht wird dann aus Heidelberg doch noch eine „ Knowledge Pearl“ – aber dieses Mal als Ort der Erkenntnis und nicht als Ort angeblichen Wissens.

magida

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Liebeswirren

Posted on 7. November 2013 by wowa

In der RNZ vom 24.10.2013 erschien ein Artikel von Steffen Blatt mit dem Titel „Stadt und Bima haben sich lieb“. In diesem Artikel wiederholte der Redakteur einen Satz, der in den letzten Monaten von allen denen wie eine Monstranz verwendet wird, die die Verhandlungen der Stadt Heidelberg mit der BImA als exklusives Erfolgsmodell mit dem ursprünglichen Auftrag der BImA begründen wollen: „Die BImA ist wiederum nach der Bundeshaushaltsordnung verpflichtet, zum vollen Marktpreis zu verkaufen.“ Dies ist definitiv seit dem 21.03.2012 so nicht mehr richtig. Dieser Sachverhalt sollte eigentlich allen Bürgerinnen und Bürgern bekannt sein, daher lag ein Leserbrief an die RNZ mit dieser grundsätzlichen Information nahe.

Die RNZ veröffentlichte den Leserbrief am 04.11.13, allerdings fehlte der Quellennachweis http://www.bundesimmobilien.de/6437197/ merkblatt-konversion.pdf) und ein substanzieller letzter Satz, der sich auf die RNZ bezog: „Der BImA und dem OB sei die positive Darstellung gegönnt, wir Bürger sollten aber umfassend informiert werden.“

Hier der Leserbrief im Original: Leider versäumt es die RNZ, die sachliche Grundlage für die ironische Überschrift „Stadt und BImA haben sich lieb“ mit ergänzenden Informationen zu verbinden. Text in der RNZ: „Die BImA wiederum ist nach der Bundeshaushaltsordnung verpflichtet, zum vollen Marktpreis zu verkaufen.“ Das ist eine richtige, aber keine vollständige Information. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat in seiner Sitzung am 21.03.2012 wesentliche Vorgaben für das Vorgehen der BImA bei Konversionsflächen beschlossen. So muss die BImA Konversionsgrundstücke den jeweiligen Gebietskörperschaften/Kommunen zum gutachterlich ermittelten Verkehrswert ohne Bieterverfahren veräußern („Erstzugriffsoption“). Außerdem schließt die BImA mit den zuständigen Kommunen einen „Städtebaulichen Vertrag“, wonach sich die BImA an den Erschließungs- und Entwicklungskosten auf der Grundlage eines abgestimmten Planungs- und Baurechts sowie entsprechender Kosten- und Erlösprognosen beteiligt (http://www.bundesimmobilien.de/6437197/ merkblatt-konversion.pdf). Das „Liebhaben“ bezieht sich in Heidelberg also darauf, dass BImA und Stadt bei der Erstellung der Wertermittlung „miteinander im Gespräch sind“ und nicht, wie vom Haushaltsausschuss des Bundestages vorgesehen, das Ergebnis eines Wertgutachtens der Stadt „schriftlich mitgeteilt“ wird. Das ist nicht unerheblich und sicherlich positiv, aber die anderen Punkte der „bundesweit einmaligen Vereinbarungen“ wurden weniger von der Liebe, mehr von haushaltsrechtlichen Vorgaben aus Berlin beeinflusst. Der BImA und dem OB sei die positive Darstellung gegönnt, wir Bürger sollten aber umfassend informiert werden.

Wolfgang Wagner

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Konversions-Erfindungen

Posted on 26. April 2013 by magida

Anlässlich der letzten Ereignisse – OB Würzner präsentiert sich öffentlich als Erfinder eines „Bündnisses für bezahlbaren Wohnraum“ – scheint mir ein Zwischenruf nötig.

Die neuesten Nachrichten in der RNZ (siehe Anhang), die pressewirksame Aktion des OB haben bei Teilen unserer Mitglieder und Sympathisanten freudige Reaktionen ausgelöst. Auch auf die Gefahr hin, als „Alarmist“ verschrieen zu werden, will ich dennoch auf Aspekte hinweisen, die man beachten sollte, wenn die Dimension des Ganzen charakterisiert werden soll.

Vorab: Es ist sicherlich so, dass durch unser Auftreten – in Kooperation mit hd_vernetzt und anderen Gruppen und auch durch unsere Informationsbesuche bei den Parteien – das Thema „Gemeinschaftliches Wohnen auf den Konversionsflächen“ erst richtig und unwiderruflich im städtischen Diskurs verankert wurde. Wenn das der OB nun zu seiner „Erfindung“ macht, kann uns das egal sein. Hauptsache, unser Thema wird vorangetrieben. Allerdings liegt, wie so oft, die besondere Würze im Detail, etwa im Positionspapier der Baugenossenschaften, das mit dem OB ausgehandelt wurde (siehe Anhang). Darin werden plötzlich schon konkrete Daten – die bislang nicht Thema der Bürgerbeteiligung/Bürgeforen waren – festgesetzt: etwa die Höhe des Investitionsvolumens, das plötzliche Auftauchen der städtischen GGH als Aktivist innerhalb der Konversion, der Umfang der sozialgebundenen Wohnungen (30 Prozent) an der Gesamtfläche von Mark Twain und nicht zuletzt der Anteil von „bis zu zehn Prozent innovativer Wohnprojekte“ (was immer das auch sein mag) am Gesamtkuchen. Nur eine kleine Rechnung: Von den 850 Wohneinheiten auf Mark Twain werden mindestens 250 an das Studentenwerk gehen. Bleiben etwa 600. Zehn Prozent davon sind 60 Wohneinheiten. Wir von der Communale haben in unserer Wohnkonzeption den Bedarf von allein 58 Wohneinheiten angemeldet. Was bedeutet das? Entweder die anderen Initiativen gehen leer aus, oder es gibt ein Hauen und Stechen unter den verschiedenen gemeinschaftlichen Wohnprojekten. Die Stadt ist fein raus, denn es gibt ja eine Direktive, die Betroffenen (also wir und alle anderen Initiativen) haben den Schwarzen Peter.

Aspekt 2. In den öffentlichen Verlautbarungen von Stadtverwaltung bis zu den Grünen feiert seit neuestem der Begriff der „Krankenschwester“ fröhliche Urständ. Bezahlbarer Wohnraum, so etwa der OB in der RNZ und auf den Webseiten der Stadt, solle vor allem für Krankenschwestern, Polizisten, Hebammen etc. geschaffen werden, die sich teure Wohnungen nicht leisten können. Nicht die Rede ist etwa vom akademischen Prekariat, arbeitslosen Philosophen oder unterbezahlten Freiberuflern aller Disziplinen. Was passiert hier? Sozialpopulismus feinster Ausprägung. Es besteht m.E. die Gefahr, dass hier Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt werden sollen. Und wir, wenn wir nicht aufpassen, werden mittendrin sein.

Aspekt 3. Die Nachricht über die überraschende Initiative des OB gelangte genau fünf Tage nach dem letzten Bürgerforum (18. April) an die Öffentlichkeit. Das Positionspaper der Baugenossenschaften trägt aber den Datumsstempel 20. März. Warum verstrich so lange Zeit bis zur Veröffentlichung? Warum wurden diese Informationen nicht auch auf dem letzten Bürgerforum allen versammelten Interessierten vorgelegt? OB Würzner in der Bürgerfragestunde vom 23. April: Man habe das gemeinsam – Stadtverwaltung und Baugenossenschaften – öffentlich präsentieren wollen und außerdem hätten die Baugenossenschaften gebeten, nicht früher an die Öffentlich zu gehen. Irgendwie seltsame Argumentationen, denn eines scheint klar: Wären diese Informationen zum Zeitpunkt des Bürgerforums schon vorhanden gewesen, wäre auch das Bürgerforum völlig anders verlaufen. Man stelle sich vor: Während die engagierten Bürger – unter der Leitung der städtischen Moderatoren – wieder fleißig Zettel ausfüllen, Vorschläge und Ideen sammeln, gibt es schon eine Initiative „von oben“, die bestimmte Teilaspekte des Gesamtprozesses präjudiziert und den ganzen Bürgereifer ad absurdum führt.

Aspekt 4. Sowohl die mit den Voruntersuchungen beauftragte NH als auch die beteiligten Architekten vor Ort hatten keinerlei Informationen über die Initiative des OB.

Dies zum Nachdenken.

magida

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Dachgenossenschaft als Renaissance der eG?

Posted on 17. Januar 2013 by wowa

Auf dem Wohnungsmarkt lassen sich seit einiger Zeit Tendenzen zu neuen genossenschaftlichen Kooperationsformen beobachten, die Experten als eine Art Renaissance der Genossenschaften bezeichnen. Gruppierungen mit dem Ziel gemeinschaftlichen Wohnens finden sich immer häufiger zu „Wohnprojekten“ zusammen, die die Rechtsform einer eingetragenen Genossenschaft für sich entdecken oder die Kooperationen mit bestehenden Genossenschaften eingehen.

In den gemeinschaftlichen Projekten finden sich Menschen, die sich bewusst für die gegenseitige Unterstützung und das gemeinschaftliche Leben in unterschiedlicher Ausprägung entschieden haben. Neben einem klaren Wohnkonzept spielt die Rechtsform für das gemeinschaftliche Wohnen eine zentrale Rolle. Sie stellt die Verknüpfung der konzeptionellen mit der finanziellen Ebene dar. Soziale Aspekte, Selbstverwaltung, Solidarität, demokratische Strukturen prägen wesentlich die meisten gemeinschaftlichen Wohnprojekte. In Genossenschaften sind Selbsthilfe und der Solidaritätsansatz rechtlich ebenso verankert wie die demokratische Verfassung des Wirtschaftsbetriebs.

Genossenschaftliche Rechtsformen

Entsprechend viele gemeinschaftliche Wohnprojekte wählen daher eine genossenschaftliche Rechtsform, die in drei Typen realisierbar ist:

Projektdurchführung mit einer selbst gegründete Einzelgenossenschaft
Projekte, die durch eine bestehende Genossenschaften realisiert wurden
Projekte als Teil einer sog. Dachgenossenschaft

In der Bundesrepublik wurden zwischen 2000 und 2011 laut einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung 41 genossenschaftliche Wohnprojekte durch eine neu gegründete Genossenschaft realisiert, weiter 65 Wohnprojekte entstanden unter 14 Dachgenossenschaften und bei 15 bestehenden Genossenschaften.

Vorteile und mögliche Probleme der drei Rechtsformen

Gründung einer Einzelgenossenschaft

Die Gründung einer neuen Genossenschaft ist eigentlich die logische Konsequenz der oben aufgeführten Prinzipien. Allerdings: Die Gründung einer neuen Genossenschaft erfordert einen hohen Arbeits- und Kostenaufwand, wohnungswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Fachkenntnisse und die Findung ehrenamtlich Verantwortlicher für die gesetzlich vorgeschriebenen Organe (Aufsichtsrat, Vorstand). Die Beantragung und Prüfung ist relativ langwierig, in Situationen mit Zeitdruck kann es zu Problemen kommen.

Ein Projekt in einer Traditionsgenossenschaft

Wie z.B. in Hamburg finden sich immer mehr Traditionsgenossenschaften, die in Kooperation mit einer gemeinschaftlichen Wohnprojektgruppe ein Projekt realisieren. Hierbei werden die Ressourcen (Planung, Durchführung, Verwaltung) der Genossenschaft eingesetzt, die Genossenschaft gewinnt eine Mietergruppe, die Wohnen in guter nachbarschaftlicher Beziehung garantiert.

Projekte als Teil sog. Dachgenossenschaften

Oft stoßen die Initiatoren der Wohnprojekte mangels fachspezifischer Kenntnisse häufig schnell an die Grenzen ihrer Selbstverantwortungs- und Selbstverwaltungsfähigkeit. Das ist ein Grund dafür, dass in jüngerer Vergangenheit genossenschaftliche Unterstützungsstrukturen entstanden sind, die einzelnen Wohnprojekten als „Dach“ dienen. Sie bieten ihnen sowohl in der Gründungsphase als auch in der laufenden Unterhaltung und Bewirtschaftung der Wohnobjekte Trägerstrukturen und Unterstützung. Parallel neu entstehende Wohnprojekte können sich wiederum diesen Dachgenossenschaften anschließen, ohne zwangsläufig selbst eine Genossenschaft oder eine andere Gesellschaftsform gründen zu müssen.

Von den Vorteilen dachgenossenschaftlicher Strukturen profitieren auch bestehende Genossenschaften, wenn sie sich an der Grundidee einer Dachgenossenschaft orientieren. Die Wohnungsgenossenschaften müssen um eine Identifikation ihrer Mitglieder mit „ihrer“ Genossenschaft bemüht sein. Dies kann vor allem durch Verlagerung von mehr Verantwortung und Gestaltungsspielräumen zu den Gruppen vor Ort erreicht werden. So wird das gemeinschaftliche Wohnen (ein etwas in Vergessenheit geratenes Prinzip genossenschaftlichen Wohnens) wieder neu entdeckt und aktiviert. Durch eine Verlagerung von Entscheidungen und Zuständigkeiten hin zu Hausgemeinschaften oder Hausvereinen, wird auch die genossenschaftliche Basis gestärkt. In solchen Projekten von Wohngruppen und Dachgenossenschaften (oder Genossenschaften mit dachgenossenschaftlichen Strukturen) werden die Effizienz- und Wissensvorteile der Genossenschaft zur Finanzierung, Planung und Durchführung des Objekt genutzt, durch das Einräumen von Autonomie an die Wohngruppe wird die Basis für eine funktionierende Wohngemeinschaft gelegt. In NRW ergab eine Untersuchung [1] der genossenschaftlichen gemeinschaftlichen Wohnprojekte u.a., dass in der Regel sich Genossenschaften auf die Suche nach entsprechenden Interessenten machten. In 30% der betrachtenden Objekte ging die Initiative von Bewohnergruppen aus.

Im Rahmen des Forschungsfeldes „Genossenschaftspotentiale“ haben das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung eine Studie zu Dachgenossenschaften in Auftrag gegeben. In der Studie werden die unterschiedlichsten Ausprägungsformen erläutert.

Die Studie nennt wichtige Vorteile einer Dachgenossenschaft:

Die Wohnprojekte können sich einer (existierenden, bzw. zu gründenden) Dachgenossenschaft als Trägerstruktur bedienen.
Die Wohnobjekte werden durch die Eingliederung in eine Genossenschaft dauerhaft dem spekulativen Wohnungsmarkt entzogen.
Die Wohnprojekte und ihre Bewohner haben Entscheidungsautonomie über die ihnen wichtigen Sachverhalte.
ie Dachgenossenschaft entlastet die Wohnprojekte und ihre Bewohner von Aufgaben, die diese nicht oder nur mit geringerer Effizienz durchführen können.<> Die Bewohner identifizieren sich stark mit „ihrem“ Haus und ihrer Hausgemeinschaft und fühlen sich nicht als „eines unter (möglicherweise sehr) vielen Mitgliedern“.

Die Existenz von aktiven Hausgemeinschaften kann helfen, soziale Notstände und Isolationen zu mildern.

Die Vorteile für beide Seiten, für Wohnungsgruppen und Wohnungsgenossenschaft, sind belegbar – wie wäre es auch in Heidelberg mit einer Renaissance einer/der Wohnungsgenossenschaften Heidelbergs?

Wolfgang Wagner

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Wer kauft die Konversionsflächen?

Posted on 5. November 2012 by wowa

„Heidelberg (dapd-bwb). Verhandlungserfolg für Heidelberg: Die Stadt kann nach dem Abzug der US-Armee die gesamten Konversionsflächen direkt kaufen – inklusive Wohngebiete. Das teilte der Heidelberger Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) am Freitag mit. Nach zähem Ringen räumte danach die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Eigentümerin der Flächen der Stadt ein Vorkaufsrecht auch für die umstrittenen Wohngebiete ein. Damit kann die Stadt verhindern, dass die Flächen europaweit ausgeschrieben und an den Meistbietenden verkauft werden..“

(Die WELT online vom 26.10.2012)

Das klang vor der Erfolgsmeldung in DIE WELT noch anders:

Mannheimer Morgen, Dienstag, 24.04.2012:

„Stadel sagte allerdings sehr deutlich, dass die Stadt nicht vorhabe, die 200 Hektar komplett zu erwerben: „Ein Kauf aller Flächen ist absolut utopisch. Das können wir bei dem hohen Wert nicht machen.“

Rhein-Neckar-Zeitung 12.10.12:

OB Würzner: „Bei den Wohnungsbauten in Mark Twain Village vertritt die Bima die Einschätzung, dass der Stadt kein Vorverkaufsrecht zusteht, da die Immobilien nicht militärisch genutzt worden waren. (…) Stattdessen hat uns die Bima ein Angebot gemacht, über das ich mich sehr freue: Sie ist bereit, die erste freiwerdende Teilfläche in Mark Twain Village östlich der Römerstraße zunächst einmal selbst zu vermieten und einen Teil der Wohnungen einzeln an Bürger zu verkaufen.“

Alles in allem also eine erfreuliche Entwicklung – oder?

Die Option für die gesamte Konversionsfläche steht – bleibt die Frage, ob die Stadt Heidelberg (in einer noch zu gründenden „Entwicklungsgesellschaft“ zusammen mit den Heidelberger Baugenossenschaften und der Volksbank) diese Option zieht.

Inzwischen macht die Bima auf ihrer Website im Bereich „Kaufen“ Werbung mit einer Broschüre: http://www.bundesimmobilien.de/1574638/kaufen

Bleibt die Frage: Wer kauft – wer verkauft?

Wolfgang Wagner

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Terminus non grata?

Posted on 9. November 2012 by wowa

Erstzugriffsrecht und städtebauliche Entwicklungsmaßnahme

Im Stadtblatt vom 07.11.12 informiert die Fraktionsvorsitzende der Fraktionsgemeinschaft Grüne / generation.hd über die Probleme der Konversion. Sie weist dabei auf das Erstzugriffsrecht der Kommunen beim Erwerb der Konversionsflächen hin: „Erstzugriff heißt aber nicht, dass die Kommunen auch in der Lage sind, die gewünschten Flächen zu erwerben, denn gerade in Städten wie Heidelberg, wo auf dem Grundstücks- und Immobilienmarkt – je nach Lage und beabsichtigter Nutzung der Flächen – hohe Preise zu erzielen sind, könnte ein Kauf sehr teuer werden.“

Das ist so richtig, aber da fehlt doch noch was!

Richtig ist einerseits, dass eine Gesetzesänderung dergestalt durch den Bund erfolgen muss, nach der die Flächen unterhalb des durch die Planungen zu erwartenden Marktpreises erworben werden können. Da sind alle Parteien gefragt, hier sollte parteiübergreifende Solidarität in der Kommune und im Bund im Interesse des Gemeinwohls selbstverständlich sein. Dankenswerterweise hat die Fraktion Bündnis90/Die Grünen eine entsprechende Resolution in den Gemeinderat am 25.10.2012 eingebracht, die einstimmig (!) verabschiedet wurde.

Richtig ist aber auch, dass eine Gesetzesänderung im Bund unsicher ist und evtl. für Heidelberg zu spät kommt. Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Die Fraktionsvorsitzende weist in ihrer Stellungnahme im Stadtblatt auf eine ähnliche Resolution des Gemeinderats der Stadt Bamberg hin. Was hat aber Bamberg in dieser Sache noch unternommen?

„Vor diesem Hintergrund und angesichts der Darmstädter Erfahrungen befindet sich die Stadt Bamberg „auf dem richtigen Weg“, das wussten Ursula Sowa und Peter Gack von der GAL-Stadtratsfraktion: Ein Grundsatzbeschluss des Stadtrats hat erste Schritte hin zu einer so genannten „städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme“ eingeleitet. Hier ist es das Ziel, das Erstzugriffsrecht zu nutzen, die gesamte Fläche sofort und zum aktuellen Verkehrswert aufzukaufen und dann erst zu entwickeln. Die Wertschöpfung, die daraus entsteht, dass die Stadt die Fläche beplant und Grundstücke als wertvolleres Bauland ausweist, hat die Stadt dann komplett in Gemeinschaftseinrichtungen des Viertels zu investieren: vom Kindergarten über Grünflächen oder Wege bis hin zu Bürgerzentren o. ä. Die Regel, dass 50% des Wertzuwachses an die BImA gehen, ist hier hinfällig.“

(http://gal-bamberg.de/index.php?id=1601&tx_ttnews[tt_news]=548&cHash=451c15fce77b50dd53d6956e53341e71)

Das hat der Gemeinderat der Stadt Heidelberg auch getan, in seiner Sitzung am 10. November 2011 beschloss er einstimmig, „Vorbereitende Untersuchungen“ für eine städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme durchzuführen. Seither hört man aber nichts mehr über diese Maßnahme auf der Stadtseite, in öffentlichen Veranstaltungen ergehen sich die Verantwortlichen in skeptischen Beiträgen. Auf der Veranstaltung von Theresia Bauer am 08.10.12 im DAI hörten wir auch nur Vorbehalte von den verantwortlichen Grünen. Mehrere Zuhörer hatten demgegenüber darauf hingewiesen, dass das Instrument zumindest politisch als „Drohkulisse“ gegenüber der Bima verwendet werden müsse.

Wie wichtig dies noch werden kann, erfährt man auch aus Bamberg, wo die Bima sich sperrig zeigt. „Das ‚schärfste Schwert‘, wie Hinterstein formuliert, ist die so genannte städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, ein baurechtliches Verfahren, das der Stadt Rechte in die Hand gibt, die enteignungsgleiche Wirkung haben und die Bodenpreise zum Preis vor der Entwicklung einfrieren. Die dafür notwendigen Voruntersuchungen hat der Stadtrat im März in Auftrag gegeben. Es wäre nicht das erste Mal, dass Kommunen zu diesem Mittel greifen, um die Ansprüche des Bundes in die Schranken zu weisen.“ (Konversionsreferent Christian Hinterstein in http://www.infranken.de/regional/bamberg/US-Areal-Bamberg-will-Ausverkauf-verhindern;art212,332165)

Ja – der „Kauf könnte sehr teuer werden“, wenn die Stadt allein auf harmonische Verhandlungen setzt, ein wichtiges Instrument in diesem schwierigen Prozess vernachlässigt und zu lange auf mögliche Gesetzesänderung hofft.

Wolfgang Wagner

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Wie möchte ich wohnen ….

Posted on 11. Juli 2012 by wowa

Zur Diskussion gestellt: Zwei Wohnmodelle – eine Idee

„Wohnhof Atrium in Wiesloch, ein private Bauherrengemeinschaft

Die Stadt Wiesloch hat für private Bauherrengemeinschaften Baugrundstücke für die Umsetzung von nachbarschaftsorientierten Wohnformen im Baugebiet „Äußere Helde“ zur Verfügung gestellt: Nachbarschaftsorientiertes Wohnen im Wohnhof Atrium. Der gemeinsame Innenhof bietet Raum für viele Gelegenheiten: für Geburtstage und Weihnachtsfeiern, für Theaterspiele und Nikolausbesuche, für Hochzeiten und Faschingsfeste, für Tanz, Bastelnachmittage, Ausstellungen und für Vorträge. Rings um den gemeinsamen Innenhof gruppieren sich die privaten Häuser und Wohnungen – 8 Einfamilienhäuser und 4 Geschoßwohnungen. Die Wohnfläche ist wählbar von 90m² bis 160m². Die Häuser sind erweiterbar und teilbar. Jedes Haus hat 2 Eingänge im Erdgeschoß und im Obergeschoß. Zu jedem Haus gehört ein eigener Garten.“

Texte aus: http://www.wohnhof-atrium.de/idee.html

Mika Karlsruhe, ein genossenschaftliches Modell

„Immer mehr Menschen suchen nach Alternativen zum isolierten Leben in der Kleinfamilie, der Singlewohnung oder im Altenheim. Doch Wohnträume werden selten wahr angesichts hoher Mieten und knappen (bezahlbaren) Wohnraums. Mit dem MiKa-Wohnhof können wir viele unserer Träume vom Zusammenleben realisieren: Die Lage der Häuser zueinander bildet einen (Innen-)Hof, der durch gemeinschaftliche Nutzung in das Wohnen miteinbezogen und damit zum Wohnhof wird. Diesen nutzen wir als Garten, Spielplatz, Bobbycar-Rennbahn, Grillplätze, Treffpunkte zum gemeinsamen Essen und vieles mehr. So findet das Leben bei uns nicht nur zurückgezogen in einzelnen Wohnungen statt, sondern auch auf dem Gelände um die Häuser herum.

Wir, das sind ca. 150 Erwachsene und ca. 80 Kinder verschiedenster Herkunft. Etwa ein Drittel der BewohnerInnen haben einen Migrationshintergrund. Die Altersspanne reicht dabei vom hier geborenen Baby bis weit in die Achtzig hinein, wobei teilweise drei Generationen einer Familie unter einem Dach leben. Nicht nur die vielen Alleinerziehenden profitieren von den Möglichkeiten (z.B. gegenseitiges Babysitten, gemeinsames Zur-Schule- oder In-den-Kindergarten-Bringen, Car-Sharing), die das Wohnhof-Konzept mit sich bringt. Gemeinsam bemühen wir uns um Formen des kindergerechten, interkulturellen, gewaltfreien und umweltfreundlichen Zusammenlebens, zeigen sie und stellen sie zur Diskussion.

Wir leben nicht nebeneinander her, sondern miteinander, in vielfältigen sozialen Beziehungen. Benachteiligung und Diskriminierung sollen bei uns keinen Raum haben. Im Gegenteil ermutigen wir Minderheiten und benachteiligte Gruppen, das Projekt mitzugestalten und zu nutzen. Interesse für andere, soziales Handeln und Toleranz wünschen wir uns von jeder Bewohnerin und jedem Bewohner. Der überwiegende Anteil unseres Eigenkapitals wurde in Form von Genossenschaftsanteilen durch die wohnenden Mitglieder eingebracht.“

Texte aus: http://www.mika-eg.de

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Konversion ist nun Chefsache

Posted on 17. Juli 2012 by wowa

Vor einiger Zeit berichtete ich unter der Überschrift „Schläft die Stadt Heidelberg …?“ von positiven Beispielen über den Umgang von Städten mit der Konversion.

Beispiel Augsburg: „Frühzeitig wurden Einleitungsbeschlüsse für städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen gefasst sowie Planungswerkstätten und städtebauliche Ideenwettbewerbe durchgeführt. In der Verwaltung wurde die Konversion zur Chefsache gemacht, eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Stadtdirektors eingerichtet und zur Verfahrensbeschleunigung ein eigener Konversionsausschuss ins Leben gerufen.“ Und weiter: „Um die Abwicklung zu erleichtern wurde die Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung und Immobilienbetreuung GmbH (AGS), eine Tochtergesellschaft der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Augsburg mbH (WBG) Zwischeneigentümer.“ Heute berichtet die RNZ über die Maßnahme des OB, die bisherige Abteilung „Entwicklungsmanagement“ abzuwickeln und über einen „Lenkungskreis“ an die „konkrete Umsetzung“ zu gehen. Die Geschäftsführung für diesen Lenkungskreis, dem der OB, Baubürgermeister Stadel, ein Vorstandsmitglied der Bima und ein weiteres Mitglied der Bima angehören soll dabei das Kämmereiamt innehaben. Eine „Lenkungsgruppe“ und ein „Ämterrunde Konversion“ sollen dem Lenkungskreis zuarbeiten.

Götz Münstermann von der RNZ schreibt in seinem Kommentar dazu: „Es geht um mehr, als nur neuen Wohnraum zuschaffen. Es geht um eine Neuausrichtung der Stadt, mit der die Grundlagen für die kommenden Jahrzehnte geschaffen werden. Deshalb ist es richtig dass sich die Stadtspitze für diesen Prozess neu organisiert.“ Ich stimme dem zu, eine wichtige Forderung von kritischen Begleitern der Stadtpolitik ist mit diesem Schritt erfüllt!

Aber bin ich zu ungeduldig – ist es noch zu früh, von der Stadtspitze weitere Schritte einzufordern, die andere Städte für ein erfolgreiches Konversionsmanagement einsetzten: Einleitungsbeschlüsse für städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen und die Gründung einer kommunalen Entwicklungsgesellschaft?

W. Wagner

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Projekt Kulturkaserne Heidelberg

Posted on 20. Juli 2012 by magida

Dass es in der Vergangenheit in Heidelberg an optimalen Räumlichkeiten mangelte, um etwa Veranstaltungen wie Konzerte (Rock, Jazz, Klassik), literarische Veranstaltungen, experimentelle künstlerische Events u.a. zu präsentieren, ohne horrende Mieten wie etwa für die Stadthalle zu bezahlen, dass für junge Musiker und Bands kaum oder keine Proberäume zur Verfügung stehen, dass in dieser Hinsicht Heidelberg weit hinter Mannheim zurück liegt – das ist in der Kulturszene weithin bekannt.

Alle einigermaßen wichtigen Kulturinitiativen sind unzufrieden und suchen händeringend Alternativen: der Karlstorbahnhof, um endlich einmal auch Konzerte für mehr als knapp 200 Zuschauer – auch mit besserer Akustik – ausrichten zu können, der Jazzclub, der sich immer unter (Termin-) Problemen irgendwo einmieten muss, das Kosmodrom und Spielraum e.V., die sich in letzter Zeit im „Exil“ wähnten, das „Kulturfenster“, junge Kulturgruppen, die sich ausprobieren wollen, die „Halle 2″ usw. usw. Alle sind auf der Suche, jeder für sich, und alle hoffen auf „ihre“ Lösung. Kosmodrom im Pfaffengrund, Kulturfenster in Bergheim, Halle 2?? Dabei bietet der kommende Abzug der US-Army immense Möglichkeiten, in Heidelberg ein kulturelles, vielfältiges Zentrum aufzubauen, in dem sich Kulturgruppen aller Art niederlassen könnten: die Patton Barracks. Optimal gelegen an den Schnittpunkten zu Kirchheim, Südstadt, Weststadt, Bahnstadt, mit guter Anbindung an den ÖPNV, Autobahn, mit vielen Stellmöglichkeiten ist das Areal von Patton Barracks geradezu ideal. Und: Patton Barracks hat eine – wenn auch kurze und amerikanisch dominierte – kulturelle Geschichte.

In den fünfziger bis achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts war die „Patton Lounge“ der angesagte Musikclub der Amerikaner in Deutschland, berühmte Gruppen wie die „Platters“ traten dort auf, viele erstklassige europäische, deutsche und amerikanische Bands waren dort zu hören. Heute residiert dort das „Roadside Theatre“ – bis Sommer 2013. In Patton gibt es darüber hinaus weitere Locations, die kulturell genutzt werden können: der ehemalige NCO-Club (Club für Nicht-Offiziere), das ehemalige Communication Centre und weitere große und kleine Funktionsräume.

Seltsamerweise hält sich die Stadt, was Patton betrifft, ziemlich bedeckt. Über Mark Twain-Village wird jetzt viel geredet, Patton ist tabu. Um diesen Zustand aufzubrechen, hat sich eine Initiative „Kulturkaserne“ gegründet. Initiator ist Abraham de Wolf von den Bürgern für Heidelberg. Ziel der Initiative ist die künftige Nutzung von Patton als „Kulturkaserne“, ein Projekt, an dem sich möglichst viele Kulturgruppen beteiligen sollen. Ein erstes Treffen am 9. Juli verlief etwas enttäuschend – nur wenige der angesprochenen Gruppen waren anwesend. Wer Interesse hat, an diesem Projekt mitzuarbeiten, melde sich am besten bei

Abraham de Wolf – adewolf@gmx.com

Mario Damolin – mdamolin@t-online.de

Bitte auch weitersagen!!

Mario Damolin

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Heidelberger Gesprächstherapie

Posted on 30. Juni 2012 by magida

Es ist Ende März 2012, als im Ballsaal der Heidelberger Stadthalle eine wundersame Veranstaltung stattfindet: der Entwicklungsbeirat der Stadt stellt den anwesenden etwa hundert Bürgern einen Entwurf der „Leitlinien für die Konversion“ vor. Eine Art Richtschnur für die Umwandlung ehemaliger US-amerikanischer Militärliegenschaften in zivile Quartiere. Eine gedämpfte, freundliche, von der Moderatorin mit sanft-werbender Stimme, pädagogischem Einfühlungsvermögen und viel Wärme vorgetragene Präsentation. Ein Jahr hat der Entwicklungsbeirat an diesem Entwurf gearbeitet, der jetzt mit „den Bürgern“ besprochen werden soll. Vor dem Saal Brezeln und Mineralwasser, drinnen konzentrierte Höflichkeit auf allen Seiten, kein lautes Wort oder gar ein Zwischenruf stört die Kommunikation zwischen Stadtverwaltung und Bürgern. Man hört viele schöne Begriffe: „qualifizierte, stadtökologisch verträgliche Innenentwicklung“, „Förderung von Innovationskultur“, „offene Planung, die Raum für Neues lässt“, „preiswerter Wohnraum“, „Nebeneinander unterschiedlicher Milieus“ etc. etc. Und all dies als Resultat eines „dialogischen Planungsprozesses“ – Bürger und Stadtverwaltung.

Nach der Präsentation eine kleine Pause. Dann dürfen die Bürger an kleinen Ständen mit den jeweiligen Themenschwerpunkten ihre Ideen und Wünsche mittels Zetteln an die betreffende Pinnwand heften – begleitet von den aufmunternden Kommentaren der „Animateure“ aus dem Entwicklungsbeirat oder der Stadtverwaltung. „Bürgerbeteiligung“ heißt das Zauberwort, die Stadt spricht mit ihren Bürgern, eine für Heidelberg kaum bekannte Art des Dialogs – schon fast irritierend in dieser nahezu meditativen Ruhe. So irritierend, dass dann doch ein Mann mittleren Alters gegen Ende der Veranstaltung sich erhebt und die verwunderte Frage an das Auditorium richtet, dies alles sei ja „wie in Watte gepackt“, eine Art „Wunschkonzert für die Bürger“? Nicht ganz. Denn der Leiter des Heidelberger Amtes für Stadtentwicklung und Statistik, Joachim Hahn, hat an einem der Stände Minuten vorher schon ganz forsch Stellung bezogen: Die Stadt wäre ja nicht mehr ganz bei Trost, dann abzulehnen, wenn die Hessen-Nassauische Bank plötzlich mit dem großen Scheck dastünde.

Zwei junge Frauen, Studentinnen wohl, stehen sich nach der Veranstaltung im matten Zwielicht einer Straßenlaterne vor der Stadthalle mit verwunderten und zornigen Gesichtern zugleich gegenüber. Es fallen Worte wie „unglaublich“, „Verarschung“, „welch ein Theater“. Die beiden hadern mit sich, weil sie nicht energisch in die Diskussion eingegriffen, weil sie sich zurückgehalten haben. Warum eigentlich? „Diese total harmonische Atmosphäre bei der Veranstaltung hat uns irgendwie gehemmt.“ Heidelberg 2012: Während überall in der Republik, ja fast überall auf der Welt, das Thema Wohnraumpolitik ganze soziale Bewegungen auslösen kann; während Begriffe wie „soziale Segregation“, „Gentrifizierung“, „Teilhabe an der Stadt“ zu Parolen einer urbanen Opposition werden; während die Londoner Stadtverwaltung Wohnsitzlose oder Einkommensschwache in andere Städte verfrachten lässt (teilweise 150 km entfernt), wo es noch billigen Wohnraum gibt; während etwa in Berlin Immobilienfonds ganze Straßenzüge aufkaufen, schlagartig die Mieten erhöhen und damit alteingesessene Bevölkerungsschichten vertreiben; während Immobilienspekulanten ganze Volkswirtschaften in den Ruin treiben können – während all dies geschieht, ist man in Heidelberg, einer vom Mietniveau her teuersten Städte Deutschlands, ganz entspannt und diskutiert „herrschaftsfrei“ über e ine Jahrhundertchance, bezahlbare Quartiere für die Zukunft zu schaffen. Probleme, Konflikte? Gibt es bei uns nicht. Hier geht es „dialogisch“ zu. Zivilisiert und garantiert emotionshemmend.

Sollten die „Leitlinien für die Konversion“ nicht nur das Resultat sondern auch die konkrete Widerspiegelung dieses vielbeschworenen dialogischen Prozesses sein, dann scheint Vorsicht geboten. Denn bei den Leitlinien handelt es sich um einen Katalog von zwar höchst ehrenwerten, allerdings in jedem Urbanisierungsprospekt zu findenden, in Hunderten von wissenschaftlichen Studien behandelten Themen. Von jedem, auch von jeder Immobilien-Heuschrecke bedenkenlos zu unterschreiben. Und von jeder studentischen Soziologie-Arbeitsgruppe in einer Woche – nicht einem Jahr – zusammengetragen. Was also zeichnet diesen „dialogischen Prozess“ aus? Was ist sein kennzeichnendes Merkmal? Einer, der uns hier auf die Spur bringen kann, ist der 1. Bürgermeister der Stadt, Bernd Stadel. Während besagter Veranstaltung, bei der die Bürger ihre Vorstellungen und Wünsche an der Pinnwand hinterlassen dürfen, steht er, der diesen Planungsprozess „transparent und mitwirkungsoffen“ gestalten will, mit freundlicher und wohlwollender Miene daneben. Vier Wochen später erklärt er in einer Pressekonferenz:

„Die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger spielt dabei eine zentrale Rolle (…) Für den Erfolg der weiteren Planung ist es entscheidend, dass Fachplanung und Bürgerbeteiligung eng verzahnt werden. Die Entwicklung der Flächen kann nicht nach dem ‚Wünsch-Dir-was-Prinzip‘ erfolgen, sondern muss sich an den konkreten Realisierungsmöglichkeiten einschließlich der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen orientieren. Deshalb wird die Fachplanung wirtschaftliche, stadtplanerische oder ökologische Bewertungen vornehmen, auf Basis derer die Bürgerinnen und Bürger Entwicklungsszenarien ausarbeiten können. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung dienen wiederum als Grundlage für die weitere Arbeit der Fachplanung. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass weder unrealistische Erwartungen entstehen, noch Planungen, die an dem Bedarf der Bürger vorbeigehen, sondern vielmehr Entwicklungsoptionen, die auf breite Zustimmung stoßen und letztendlich zügig umgesetzt werden können.“ Das also ist ein „dialogischer Prozess“ Stadt-Bürger: Erst einmal müssen „unrealistische Erwartungen“ auf Seiten der Bürger aus dem Weg geräumt werden, denn das „Wünsch-Dir-was-Prinzip“, das die Stadt gerade auf einer öffentlichen Veranstaltung angepriesen hat, kann leider doch nicht zur Anwendung kommen. Der Bürger muss – sanft – mit den „konkreten Realisierungsmöglichkeiten“ und den „wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ bekannt gemacht werden. Probates Mittel in dieser Art des Dialogs ist die „enge Verzahnung von Fachplanung und Bürgerbeteiligung“.

Was nun die „konkreten Realisierungsmöglichkeiten“ und die „wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ betrifft, was unrealistische Erwartungen“ sind, wird von der Stadt, sprich: der „Fachplanung“ definiert. Hier hat der Bürger keine Mitsprache und auch wenig Information. Dass es außerhalb des Rathauses möglicherweise qualifizierte Stimmen geben könnte, die – im Gegensatz zur Verwaltung – etwas für realisierbar und wirtschaftlich machbar halten, kommt in dieser Art des Dialogs nicht vor. So fragt man sich zum Beispiel, warum die mindestens ebenso verschuldete Stadt Mannheim noch größere Flächen kaufen will – bei derzeitig günstigen Kreditkonditionen für die öffentlichen Hände -, und warum in Heidelberg, von den Grünen bis zur CDU alle ununterbrochen beteuern, es sei kein Geld vorhanden. Gab es hierüber eine geheime Abstimmung?

Um die „dialogische Prozessplanung“ in ihrem Sinne zu beeinflussen, muss also die „Fachplanung“ (die Stadt) der „Bürgerbeteiligung“ nur die entsprechenden Rahmendaten vor die Nase setzen, oder anders: sich „verzahnen“. Und schon wird aus dem propagierten freien Dialog ein „gelenkter“. Ein Gespräch auf Augenhöhe kommt hier nicht zustande, weil, und das weiß man zur Genüge, heute alles mit scheinbar wirtschaftlichen Argumenten abgeschmettert werden kann. Die Fachplanung ist letztlich jenes Moment in diesem sogenannten dialogischen Prozess mit einer klar ersichtlichen therapeutischen Funktion: Sie heilt den Bürger von seinen überspannten und irrationalen Ideen und Wünschen und führt die „Bürgerbeteiligung“ auf den rechten Weg. Auf den Weg der Harmonie.

Bleibt am Ende nur die Frage: Wer therapiert den Therapeuten? Am besten kritische Bürger, die einen wirklichen Dialog anstreben und keine Gesprächstherapie, etwa mit Fragen wie: Warum kauft die Stadt nicht die Areale Patton Barracks und Mark-Twain-Village (mit Campbell-Barracks), nur rund ein Drittel des Gesamtareals (!), und entwickelt daraus – mit den Bürgern – einen neuen, lebendigen Stadtteil mit Schwerpunkt Kultur (Patton)? Warum überlässt man das Airfield nicht Investoren aus der ökologischen Landwirtschaft? Warum spricht man nicht mit dem Land, um das Hospital-Gelände zu einem neuen zentralen PH-Campus mit Anbindung etwa an die Internationale Gesamtschule Hasenleiser zu entwickeln – und gleichzeitig diesen Stadtteil aufzuwerten und die Zersplitterung der Pädagogischen Hochschule auf ein Dutzend Orte zu vermeiden (übrigens eine Idee eines klugen Heidelberger Lokaljournalisten)? Und, besonders vielversprechend: Warum bietet man nicht – natürlich hochpreisig – die Patrick-Henry-Village der onst so phantasievollen Immobilienbranche an (Herr Kraus übernehmen Sie!), etwa zur Entwicklung eines internationalen Burn-Out-Camps für erschöpfte und an Selbstzweifel leidende Real-Estate-Manager, mit Fußzonen-Reflexmassage, Bach-Blütentherapie, Seminaren über „Achtsamkeit im Wohnungssektor“, Anbindung an den nahegelegenen Golfplatz, Radweg in die Stadt und stündlichem Shuttle zum Mannheimer „Zentralinstitut für Seelische Gesundheit“? Es gibt genügend zu besprechen, „transparent und mitwirkungsoffen“. Packen wir’s an.

magida

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